Preis der Besten im Voltigieren in Wiesbaden

Anlässlich des 67. Wiesbadener Pfingstturnieres im Schlosspark von Wiesbaden-Bibrich wurde auch der Preis der Besten im Voltigieren ausgetragen. Eingeladen zu diesem wichtigsten nationalen Voltigierwettkampf neben den Deutschen Meisterschaften und der Bundessichtung wurde der Bundeskader im Gruppen- und Einzelvoltigieren.

Nadia Zülow, amtierende Welt-, Europa- und Deutsche Meisterin war nicht am Start. Ihr Pferd Rubin's Universe hatte sich in der Box eine Schramme geholt und war nicht einsatzbereit. Die Mannschaft aus Köln musste ebenfalls verletzungsbedingt absagen. Dennoch präsentierte sich in Wiesbaden ein hochkarätiges Starterfeld zum einzigen nationalen Wettkampf, der im Freien stattfindet.

Bei den Gruppen dominierte erwartungsgemäß die Mannschaft des Laubenheimer RV, amtierender Weltmeister im Gruppenvoltigieren. Longenführerin Hanne Strübel hatte die Mannschaft gegenüber der Bundessichtung umgestellt und mit Leonhard Seifert, Moritz Wolf und Kay Sieben drei Jungs in der Mannschaft, im Voltigieren eher die Ausnahme. Mit neuem „outfit“ ließen die Mainzer bereits im ersten Durchgang- beim Preis der Besten wird nur Kür gezeigt- keinen Zweifel an ihrer guten Form aufkommen. Von Richterin Anja Reinhard aus Köln gab's dafür eine 9,728, eine Note, die nur äußerst selten vergeben wird. Zu den Klängen von verschiedenen Tänzen wie Cha-cha-cha und Tango zeigten die Mainzer eine Kür der Extraklasse. Die Mannschaft aus Ingelsberg, amtierender Deutscher Vizemeister und Weltmeister von 2000, präsentierte ihren „Davidoff“deutlich verbessert gegenüber der Bundessichtung und zeigte ebenfalls eine ausdrucksstarke Kür. Die  Mannschaft vom VfR Essen, Vierter der letzten Deutschen Meisterschaft, konnte , ebenso wie das  Robinson Team Großenritte nicht mit diesen Leistungen mithalten. Großenritte startet in dieser Saison mit einem neuen Pferd und hat die Kür  zur Schonung des Pferdes noch nicht mit Höchstschwierigkeiten gespickt. Im zweiten Durchgang änderte sich an der Reihenfolge nichts mehr, obwohl alle Gruppen wesentlich lockerer voltigierten. „Hut ab vor  diesen Leistungen der Aktiven, was die hier gezeigt haben war wirklich toll. Das Turnier  in Wiesbaden hat eben seine eigenen Gesetze, die Voltigierer sind es heute nicht mehr gewohnt derartige Leistungen bei Wettkämpfen im Freien zu erbringen, der Voltigiersport hat sich zu einem reinen Hallensport entwickelt“ lobte Bundestrainerin Ulla Ramge ihre Schützlinge.

Die Einzelvoltigierer  und vor Allem ihre Pferde hatten im ersten Durchgang doch mit so einigen Problemen zu kämpfen. Spielende Kinder am Zirkelrand und die gewaltigen Lautsprecher sorgten bei manchen der Aktiven für einen unfreiwilligen Abgang in der Kür. „ Bei unseren Einzelvoltigierern hat im ersten Durchgang die Gelassenheit und Losgelassenheit der Aktiven und der Pferde gefehlt“ brachte es Ulla Ramge auf den Punkt. Nicola Ströh, in Wiesbaden auf dem Pferd „Watch Me“ aus Hohenhameln am Start kam am besten mit diesem Umfeld zurecht. Nach ihrem Sieg in Stadl Paura  dominierte die Vierte der Weltreiterspiele auch in Wiesbaden. Mit Handstand rückwärts und Schweizer Handstand vorwärts präsentierte sie eine ungeheuer schwere Kür und distanzierte das restliche Starterfeld mit mehr als einer Note Vorsprung. Überraschend belegte Anke Rauls Rang zwei. Unter ihrem Mädchennamen Anke Lätsch war sie bereits von zehn Jahren erfolgreich auf Championaten. Nun feiert die zweifache Mutter nach sechsjähriger Voltigierpause und einer Operation der Kreuzbänder ihr Comeback. Annerose Dobler, nach einer Beinverletzung noch nicht wieder ganz fitt, musste sich mit Rang drei begnügen, da sie ihre schweren Abgänge noch nicht machen kann. In Wiesbaden hatte sie noch das Pech, dass unmittelbar nach ihrem Einlauf zum zweiten Durchgang ein Platzregen einsetzte und der Wettkampf für 15 Minuten unterbrochen werden musste. „ Es ist schon toll wie unkompliziert unsere Voltigierer sind, die lassen sich von derartigen Naturgewalten nicht erschüttern. Sie sind alle hart im Nehmen. Wenn's regnet stellen sie sich unter, bis es wieder trocken von oben ist und anschließend geht es weiter“ zollte Kersten Klophaus, Vorsitzender des Bundesfachbeirats seinen Aktiven höchstes Lob. Ines Jückstock , Anja und Sylvie Barwig zeigten alle im zweiten Durchgang ihre gewohnten Leistungen, konnten aber den Rückstand aus dem ersten Durchgang nicht mehr aufholen. Da ließen sich ihre Pferde zu sehr von den äußeren Einflüssen ablenken und zwangen ihre Aktiven zu einem unfreiwilligen Abgang.

Jan Bayer, der Sieger des Preis der Besten in Wiesbaden, Sieger der diesjährigen Bundessichtung und amtierender Deutscher Meister, zog seine Kür in Wiesbaden ausdrucksstark durch und zeigte als Abgang eine Nackenkippe rückwärts nach innen. Ein erst kurz vor Wiesbaden aufgenommener neuer Kürteil, ein besonderer Schulterstand, sorgte bei Jan Bayer für eine kleine Schramme im Gesicht .“ Da muss ich wohl noch ein bisschen üben“ war sein Fazit zur Schramme. Tim –Randy Sia zeigte sich in Wiesbaden sehr stark und belegte Rang zwei. Damit bewies er, nach seinem dritten Rang bei der Bundessichtung, dass in diesem Jahr mit ihm zu rechnen ist. Kay Sieben, mit der Mannschaft Laubenheim in Jerez Weltmeister geworden, belegte in der Gesamtwertung Rang drei. Im ersten Durchgang verfehlte er beim Flic-Flac Abgang das Pferd und „schmierte“ nach außen ab. Kai Vorberg, Fünfter der Weltreiterspiele in Jerez, zeigte sich im zweiten Durchgang gegenüber dem ersten Durchgang verbessert, belegte trotz freiem Rad als Abgang nur Rang vier. Platz fünf ging an Jan-Hendrik Wagener und Rang sechs an Dennis Peiler.

„ Mit den gezeigten Leistungen, vor Allem unter freiem Himmel und bei dieser Witterung im zweiten Durchgang, bin ich sehr zufrieden. Natürlich sind die Leistungen durch die äußeren Gegebenheiten anders als in der Halle“ zog Bundestrainerin Ulla Ramge ihr Resumee über den diesjährigen Preis der Besten in Wiesbaden.

Gabriele Knisel-Eberhard

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